Über Orte geht die Zeit. Das
Geschehen am Ort über den Zeitlauf wechselt und versinkt in
der Zeit. Der Ort selbst ist neutral, wenn wir das Geschehen nicht
kenntlich machen durch unsere Erinnerung.
Hier auf dem Altmarkt wurden, um der Seuchengefahr
zu entgehen, knapp 7000 Opfer des verheerenden Bombenangriffs am
13. Februar 1945 verbrannt. Hier auf dem Altmarkt feiern die Dresdner
und ihre Gäste alljährlich das Stadtfest, lassen sie sich
auf dem Striezelmarkt in Weihnachtsstimmung versetzen, hier hören
sie Dixielandmusik oder schauen Sportveranstaltungen zu.
Unsere Erinnerung aber markiert diesen Ort. Und
die brutale Zerstörung vor 59 Jahren an vielen solcher Orte
in unserer Stadt wandelt unsere Erinnerung zum Gedenken. Wirkliches
Gedenken speist sich immer aus den verschiedenen Orten, aus den
einzelnen Geschehnissen dort und aus dem vielen individuellen Leid
der Opfer.
Wer sich nicht erinnert, kann auch nicht gedenken.
Erich Kästner schrieb nach dem Anblick der
Zerstörung: »Dresden gibt es nicht mehr.« Wir Dresdnerinnen
und Dresdner bauten mit Mut und Lebenswillen unserer Stadt aus den
Trümmern wieder auf, lebensfähig und attraktiv.
So haben sich die Orte des Entsetzens gewandelt.
Die Zerstörungen an vielen Stellen sind ausgelöscht, Altes
ist wieder entstanden, Neues hinzugebaut. Geblieben ist unser Gedenken
und wird auch immer bleiben, besonders an diesem 13. Februar, wenn
wir uns immer wieder erinnern.
Doch nicht nur Mut und Lebenswille zeichnet die
Bürger unserer Stadt aus. Das Trauma des Krieges und der sinnlosen
Zerstörung führte die Bevölkerung zum unbedingten
Willen nach Frieden. Gerade dieses nicht auslöschbare Gedenken
an das, was die Stadt Furchtbares erleben musste, bringt zwangsläufig
diesen Friedenswillen hervor.
Wenn wir heute unserer Toten gedenken, dann gedenken
wir auch aller Toten, die dieser furchtbare Weltkrieg forderte.
Ein Krieg, der von Deutschland ausging und der am Ende auch auf
unsere Stadt grausam zurückschlug. Wir gedenken heute aber
auch aller, die in Kriegen umgekommen sind – in Kriegen, die
immer noch als unmenschliche Tollheiten von Menschen unseren Erdball
befallen.
Das, was wir auf dem Bildschirm sehen, ist nicht
fassbar im Einzelnen, aber besser verstehbar im Spiegel unserer
Erinnerung an die entsetzliche Zerstörung unserer Stadt. Das
erkannte einzelne Leid lässt das ferne Leid besser begreifen.
Besonders die Generationen, die nicht dabei waren und vielleicht
auch die Auswirkungen der Zerstörungen nicht erlebten, brauchen
diese Orte und die lebendige Erinnerung an die Geschehnisse.
Die stetige Aufgabe unserer Generation und die der
nachfolgenden ist: Nie vergessen, was so unfassbar, – mahnen
und wachsam sein.
Dresdens Gedenken an die furchtbarste Nacht dieser
Stadt und ihrer Toten mahnt jährlich über Grenzen hinweg:
Nie wieder und nirgendwo Krieg!

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