13. Februar 2004:
»GeDenken« – Texte

   
       

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Dresden 2004

»GeDenken«

Texte

 

Oberbürgermeister Ingolf Roßberg

Über Orte geht die Zeit. Das Geschehen am Ort über den Zeitlauf wechselt und versinkt in der Zeit. Der Ort selbst ist neutral, wenn wir das Geschehen nicht kenntlich machen durch unsere Erinnerung.

Hier auf dem Altmarkt wurden, um der Seuchengefahr zu entgehen, knapp 7000 Opfer des verheerenden Bombenangriffs am 13. Februar 1945 verbrannt. Hier auf dem Altmarkt feiern die Dresdner und ihre Gäste alljährlich das Stadtfest, lassen sie sich auf dem Striezelmarkt in Weihnachtsstimmung versetzen, hier hören sie Dixielandmusik oder schauen Sportveranstaltungen zu.

Unsere Erinnerung aber markiert diesen Ort. Und die brutale Zerstörung vor 59 Jahren an vielen solcher Orte in unserer Stadt wandelt unsere Erinnerung zum Gedenken. Wirkliches Gedenken speist sich immer aus den verschiedenen Orten, aus den einzelnen Geschehnissen dort und aus dem vielen individuellen Leid der Opfer.

Wer sich nicht erinnert, kann auch nicht gedenken.

Erich Kästner schrieb nach dem Anblick der Zerstörung: »Dresden gibt es nicht mehr.« Wir Dresdnerinnen und Dresdner bauten mit Mut und Lebenswillen unserer Stadt aus den Trümmern wieder auf, lebensfähig und attraktiv.

So haben sich die Orte des Entsetzens gewandelt. Die Zerstörungen an vielen Stellen sind ausgelöscht, Altes ist wieder entstanden, Neues hinzugebaut. Geblieben ist unser Gedenken und wird auch immer bleiben, besonders an diesem 13. Februar, wenn wir uns immer wieder erinnern.

Doch nicht nur Mut und Lebenswille zeichnet die Bürger unserer Stadt aus. Das Trauma des Krieges und der sinnlosen Zerstörung führte die Bevölkerung zum unbedingten Willen nach Frieden. Gerade dieses nicht auslöschbare Gedenken an das, was die Stadt Furchtbares erleben musste, bringt zwangsläufig diesen Friedenswillen hervor.

Wenn wir heute unserer Toten gedenken, dann gedenken wir auch aller Toten, die dieser furchtbare Weltkrieg forderte. Ein Krieg, der von Deutschland ausging und der am Ende auch auf unsere Stadt grausam zurückschlug. Wir gedenken heute aber auch aller, die in Kriegen umgekommen sind – in Kriegen, die immer noch als unmenschliche Tollheiten von Menschen unseren Erdball befallen.

Das, was wir auf dem Bildschirm sehen, ist nicht fassbar im Einzelnen, aber besser verstehbar im Spiegel unserer Erinnerung an die entsetzliche Zerstörung unserer Stadt. Das erkannte einzelne Leid lässt das ferne Leid besser begreifen. Besonders die Generationen, die nicht dabei waren und vielleicht auch die Auswirkungen der Zerstörungen nicht erlebten, brauchen diese Orte und die lebendige Erinnerung an die Geschehnisse.

Die stetige Aufgabe unserer Generation und die der nachfolgenden ist: Nie vergessen, was so unfassbar, – mahnen und wachsam sein.

Dresdens Gedenken an die furchtbarste Nacht dieser Stadt und ihrer Toten mahnt jährlich über Grenzen hinweg: Nie wieder und nirgendwo Krieg!

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Teil 1

 

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