5. Februar 2004
Es brauchte nur wenige Stunden in dieser Nacht des 13. Februar
vor 59 Jahren, um mein Leben und das vieler meiner Altersgefährten
für immer zu verändern. Am Morgen danach gab es die Menschen
und die Orte unserer Kindheit und Jugend nicht mehr. Wo wir gewohnt
hatten schwelten Ruinen, unter denen die Nachbarn begraben waren.
Von unserer Schule blieben nur Mauern mit toten Fensterhöhlen.
Auf dem Platz vor dem Haus, wo ich mich so oft mit meinen Freunden
getroffen hatte, lagen tote Menschen.
Drei Monate später war dieser wahnsinnige Krieg zu Ende.
Vielen Millionen Kindern hatte er wie mir Geborgenheit und ein Zuhause,
einen Teil meiner Jugend geraubt. Für das Weiterleben in diesem
zerstörten, schuldbeladenen Land aber war gerade unsere jugendliche
Begeisterung, unsere Lebenskraft nötig. Die gemeinsame Erfahrung
von Krieg und Zerstörung setzte dafür den Rahmen. Wann
immer wir unter den vielen Entbehrungen und Schwierigkeiten der
Nachkriegsjahre litten, trösteten wir uns gegenseitig: »Hauptsache
kein Krieg!« Hunger, Mangel an vielem, Not und Enttäuschung
– egal, »Hauptsache kein Krieg!« Die drei Worte
wurden uns zur alltäglichen Wendung. »Hauptsache kein
Krieg!«
Dies ist meine Botschaft für den heutigen Tag: Was immer man
uns als Rechtfertigung nennen mag, Krieg und Gewalt gegen Menschen
darf nicht erlaubt sein! Ich wünsche mir, dass unsere Erfahrung
besonders auch von den Jugendlichen unserer Stadt aufgegriffen und
weitergetragen wird. Von Dresden müssen Initiativen für
Frieden, Toleranz und Menschlichkeit ausgehen. »Hauptsache:
Kein Krieg!«

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