10.
Februar 2004
David Potorti ist Mitglied
der Organisation »September 11th Families for Peaceful Tomorrows«.
Am 11. September 2001 wurden tausende amerikanische
Bürger auf grausame und unerwartete Weise Opfer von Terrorismus.
Die Angriffe auf das World Trade Center, das Pentagon und der Flugzeugabsturz
in Pennsylvania schockierten die ganze Welt.
Heute empfinden immer noch Millionen von Amerikanern
das Trauma des Verlustes: Verlust von Sicherheit, Verlust von Stolz,
Verlust von Hoffnung für die Zukunft. Aber für diejenigen
von uns, die am nächsten betroffen wurden, war der 11. September
nicht nur ein Tag des Verlusts, sondern auch ein Tag, an dem wir
einer neuen Familie beitraten: eine Familie von zivilen Opfern von
Terrorismus und Krieg.
Wir, die Mitglieder unserer Organisation, haben
alle an diesem tragischen Tag einen geliebten Menschen verloren:
Mütter, Väter, Söhne und Töchter. Und jeder
von uns hat für sich entschieden, solidarisch an die Seite
jener Menschen zu treten, die aus ihrem Schmerz ein Handeln für
den Frieden ableiten. Wir ehren das Leben unserer Lieben und die
Erinnerungen an sie, indem wir alles uns mögliche tun, anderen
das Leid zu ersparen, das wir erlitten haben.
Wir sehen den Tod unserer Familienmitglieder nicht
als einmaliges Ereignis. Statt dessen begriffen wir, dass im gesamten
20. Jahrhundert Zivilisten schwerste Verluste durch Gewalt, Terrorismus
und Krieg ertragen haben. Und wir erfuhren, dass viele dieser Menschen
in einzigartiger Weise Mitgefühl und Weisheit entwickelt haben.
Sie fühlen sich verpflichtet, den Verlust ihrer Lieben zu bezeugen,
andere zu mahnen, dass Krieg keine Antwort ist, und zu erklären,
dass der Kreislauf von Gewalt unterbrochen werden kann und muss.
Am Beginn des 21. Jahrhunderts stimmen wir mit der
Beobachtung von Martin Luther King junior überein, dass »Kriege
schlechte Meißel sind, um ein friedliches Morgen zu formen«.
Wir glauben, dass das Fortbestehen von Leben auf
der Erde Frieden, Versöhnung und Toleranz voraussetzt. Wir
stehen stolz zusammen mit unseren Freunden aus Dresden und Guernica,
aus Israel und Palästina, aus Japan und Korea, aus Bali und
Nordirland, aus Oklahoma City und Mittelamerika. Sie glauben wie
wir daran, dass die einzigartigen Herausforderungen, denen wir gegenüber
stehen, bewältigt werden können. Dafür müssen
wir unsere gegenseitige Abhängigkeit erkennen, unsere gemeinsamen
Interessen und die Notwendigkeit anerkennen miteinander zu leben.
Nur so können wir eine friedliche Zukunft für uns selbst,
unsere Kinder und alle zukünftigen Generationen sichern.

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