10. Februar 2004
12. April 1999, acht Uhr abends. Der Abend des Holocaust-Gedenktages
in Israel. Im Fernsehen lief die offizielle Eröffnung der Gedenkfeierlichkeiten
als jemand an unsere Tür klopfte. Ich sah ein Bild, bei dem
jede israelische Familie sofort weiß was los ist: Vor unserer
Tür standen drei Armee-Offiziere. Ihre Aufgabe war es uns zu
informieren, dass Noam, der Jüngste unserer drei Kinder, einige
Stunden zuvor von der Hezbollah in Süd-libanon getötet
wurde, das damals noch von der israelischen Armee besetzt war.
Noam, 21 Jahre alt, war fünf Tage vor dem Ende
seines Militärdienstes gefallen; er trug an seiner Uniform
ein Abzeichen, dass die Armee zum Rückzug aus dem Südlibanon
aufruft. An seinem Grab habe ich geschworen, mein Leben dem Frieden
zu widmen und so dem sinnlosen Tot meines Sohnes wenigstens etwas
Sinn zu geben.
In unserer tiefen Verzweiflung entschlossen wir
uns, unsere Botschaft laut zu verbreiten und ein Jahr später
zog sich die israelische Armee aus dem Libanon zurück. Wir
erfuhren so, dass die Stimmen der Menschen, und insbesondere die
Stimmen der trauernden Familien, einen enormen Einfluss auf die
öffentliche Meinung haben.
Dies ist der wichtigste Grund, der uns und Hunderte
israelische und palästinensische trauernde Familien in dieser
Organisation zusammenführte. Mit gemeinsamen Kräften verlangen
wir Frieden und Versöhnung. Damit haben wir ein einzigartiges
Beispiel dafür gegeben, dass Dialog und Solidarität zwischen
Israelis und Palästinensern möglich ist.
Krieg, Terror, Tod und Leid sind das Schicksal unseres
Landes von Beginn an. Tausende Opfer auf beiden Seiten haben mit
ihrem Leben dafür bezahlt, dass die israelische und palästinensische
Führung nicht kompetent genug sind Frieden herzustellen. Heute
wissen wir, dass es kein Problem gibt welches nicht mit friedlichen
Mitteln gelöst werden kann. Die meisten Israelis sind überzeugt
davon, dass nicht nur die Besetzung der palästinensischen Gebiete
beendet werden muss, sondern auch die den Palästinensern aufgezwungen
Beschränkungen und ihr Elend – nicht nur der Palästinenser
wegen, sondern auch wegen der schrecklichen Schäden an der
Moral unseres Staates und an seinen ethischen Grundsätze.
Wir sind davon überzeugt, dass beide Völker
eine Einigung erreichen können und werden, mit der dieser Krieg
beendet und ihre fundamentalen Bedürfnisse respektiert sind.
Ich glaube, dass ich dem Andenken meines Sohnes am besten durch
meine Arbeit für Frieden und Versöhnung zwischen Israelis
und Palästinensern diene.

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