13. Februar 2005:
»GeDenken« – Texte

   
       

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Botschaft aus Coventry an Dresden

I greet you, citizens of Dresden, from your twin city of Coventry.

Ich grüsse Sie, alle Dresdener, im Namen der Partnerstadt Coventry.

Mit Stolz verkündete vor etwas mehr als 64 Jahren der Deutschlandsender, „die Luftwaffe des Deutschen Reiches hat die Stadt Coventry erfolgreich vernichtet. Nun werden wir die Städte Englands eine nach der anderen <coventrieren>“. Man hatte damit ein neues Wort erfunden. Mit Gernika in Spanien hatte es begonnen. Es folgten Warschau und Rotterdam. Wer den Sturm säte, erntete den Wirbelsturm. Das war die tragische Logik des totalen Krieges, dessen Opfer wir heute in Dresden zum 60. Mal gedenken, alle Opfer.

Eine nach der anderen wurden die Städte Deutschlands coventriert. Terror wurde mit Terror beantwortet. Bis zum heutigen Tage bleibt diese Kriegsstrategie umstritten. Hamburg, Köln, Würzburg, Pforzheim und viele mehr. Dann folgte Tokio mit noch höheren Verlusten, und noch viel schlimmer, die atomare Einäscherung von Hiroshima und Nagasaki. Dresden war kein Sonderfall.

Aber in Coventry erklang zum Weihnachtsfest 1940, sechs Wochen nach der Zerstörung der Stadt, eine leise Stimme des Widerspruchs. Domprobst Howard predigte unter freiem Himmel in der Ruine seiner Kathedrale: „Es fällt uns zwar schwer, aber wir Christen sagen nein zur Vergeltung und ja zur Vergebung.“ Noch während des Krieges verpflichtete sich Coventry eine Stätte des Friedens und der Versöhnung zu werden. Schon zwei Jahre nach Kriegsende ging Coventry auf eine deutsche Stadt zu, auf Kiel. Das war damals mutig und umstritten. Es war die erste deutsch-britische Partnerschaft. Dann suchte Coventry eine Stadt jenseits des Eisernen Vorhangs. Das war im kalten Krieg erst recht ein Wagnis. So kam es zur Partnerschaft mit Dresden.

Die Kathedrale Coventrys schickte junge Engländer nach Dresden um
Kriegswunden zu heilen. Das gelang nach schwierigen und zähen
Verhandlungen mit der Regierung der DDR. Sie durften mitarbeiteten am
Wiederaufbau des Diakonissenkrankenhauses. Nach der Wende wurde in diesem Dresdener Haus der deutsche Zweig die von Coventry ausgehende Internationale Nagelkreuzgemeinschaft gegründet, ein weltweites Versöhnungsnetzwerk, ein Widerspruch zur Gewalt und zum Krieg heute. An diesem Tag, genau gesagt vor zwei Stunden wurde die mit britische Hilfe aufgebaute Frauenkirche in die Nagelkreuzgemeinschaft aufgenommen.

In Coventry wird öffentlich nicht mehr an das Kriegsgeschehen erinnert. Zum letzten Gedenken, zum 50.Jahrestag des Angriffs auf Coventry im Jahr 1990 hielt der deutsche Bundespräsident die Festansprache. Er brachte als Geschenk des deutschen Volkes eine Friedensglocke.

Die Königin Mutter schenkte dem deutschen Volk ein Nagelkreuz, Symbol der Versöhnung. Das Kreuz befindet sich heute im Deutschen Dom in Berlin, im Museum der deutschen Demokratie. Diese Feier war für Coventry ein Schlussstrich. Die Versöhnung mit dem Feind von gestern war vollzogen. Von nun an solle es um die gemeinsamen Aufgaben am Frieden und an der Gerechtigkeit heute gehen.

Eine heile Welt ist noch nicht in Sicht. Der Terror lässt sich nicht mit Waffen besiegen, sondern mit mehr Menschlichkeit und Toleranz, weltweit. Unser Reichtum muss mit anderen geteilt werden. Asylsuchende brauchen unseren Schutz. Menschenhandel und Folter müssen bekämpft werden.
Diejenigen – es gibt sie in jeder Stadt und in jedem Land – die immer noch Hass predigen, müssen wir mit Liebe besiegen.

Wir brauchen den Geist der Menschen und Gruppen, die zu DDR Zeiten an der Ruine der Dresdener Frauenkirche mit Kerzen standen und den Weg frei machten für eine friedliche Revolution. Ich bete und hoffe, dass wir gemeinsam in Coventry, in Dresden und überall den Mut aufbringen, unsere Liebe zur Welt in die Tat umzusetzen.

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  Überbracht von
Paul Oestreicher

 

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