I greet you, citizens of Dresden,
from your twin city of Coventry.
Ich grüsse Sie, alle Dresdener, im Namen der Partnerstadt
Coventry.
Mit Stolz verkündete vor etwas mehr als 64 Jahren der Deutschlandsender,
„die Luftwaffe des Deutschen Reiches hat die Stadt Coventry
erfolgreich vernichtet. Nun werden wir die Städte Englands
eine nach der anderen <coventrieren>“. Man hatte damit
ein neues Wort erfunden. Mit Gernika in Spanien hatte es begonnen.
Es folgten Warschau und Rotterdam. Wer den Sturm säte, erntete
den Wirbelsturm. Das war die tragische Logik des totalen Krieges,
dessen Opfer wir heute in Dresden zum 60. Mal gedenken, alle Opfer.
Eine nach der anderen wurden die Städte Deutschlands coventriert.
Terror wurde mit Terror beantwortet. Bis zum heutigen Tage bleibt
diese Kriegsstrategie umstritten. Hamburg, Köln, Würzburg,
Pforzheim und viele mehr. Dann folgte Tokio mit noch höheren
Verlusten, und noch viel schlimmer, die atomare Einäscherung
von Hiroshima und Nagasaki. Dresden war kein Sonderfall.
Aber in Coventry erklang zum Weihnachtsfest 1940, sechs Wochen
nach der Zerstörung der Stadt, eine leise Stimme des Widerspruchs.
Domprobst Howard predigte unter freiem Himmel in der Ruine seiner
Kathedrale: „Es fällt uns zwar schwer, aber wir Christen
sagen nein zur Vergeltung und ja zur Vergebung.“ Noch während
des Krieges verpflichtete sich Coventry eine Stätte des Friedens
und der Versöhnung zu werden. Schon zwei Jahre nach Kriegsende
ging Coventry auf eine deutsche Stadt zu, auf Kiel. Das war damals
mutig und umstritten. Es war die erste deutsch-britische Partnerschaft.
Dann suchte Coventry eine Stadt jenseits des Eisernen Vorhangs.
Das war im kalten Krieg erst recht ein Wagnis. So kam es zur Partnerschaft
mit Dresden.
Die Kathedrale Coventrys schickte junge Engländer nach Dresden
um
Kriegswunden zu heilen. Das gelang nach schwierigen und zähen
Verhandlungen mit der Regierung der DDR. Sie durften mitarbeiteten
am
Wiederaufbau des Diakonissenkrankenhauses. Nach der Wende wurde
in diesem Dresdener Haus der deutsche Zweig die von Coventry ausgehende
Internationale Nagelkreuzgemeinschaft gegründet, ein weltweites
Versöhnungsnetzwerk, ein Widerspruch zur Gewalt und zum Krieg
heute. An diesem Tag, genau gesagt vor zwei Stunden wurde die mit
britische Hilfe aufgebaute Frauenkirche in die Nagelkreuzgemeinschaft
aufgenommen.
In Coventry wird öffentlich nicht mehr an das Kriegsgeschehen
erinnert. Zum letzten Gedenken, zum 50.Jahrestag des Angriffs auf
Coventry im Jahr 1990 hielt der deutsche Bundespräsident die
Festansprache. Er brachte als Geschenk des deutschen Volkes eine
Friedensglocke.
Die Königin Mutter schenkte dem deutschen Volk ein Nagelkreuz,
Symbol der Versöhnung. Das Kreuz befindet sich heute im Deutschen
Dom in Berlin, im Museum der deutschen Demokratie. Diese Feier war
für Coventry ein Schlussstrich. Die Versöhnung mit dem
Feind von gestern war vollzogen. Von nun an solle es um die gemeinsamen
Aufgaben am Frieden und an der Gerechtigkeit heute gehen.
Eine heile Welt ist noch nicht in Sicht. Der Terror lässt
sich nicht mit Waffen besiegen, sondern mit mehr Menschlichkeit
und Toleranz, weltweit. Unser Reichtum muss mit anderen geteilt
werden. Asylsuchende brauchen unseren Schutz. Menschenhandel und
Folter müssen bekämpft werden.
Diejenigen – es gibt sie in jeder Stadt und in jedem Land
– die immer noch Hass predigen, müssen wir mit Liebe
besiegen.
Wir brauchen den Geist der Menschen und Gruppen, die zu DDR Zeiten
an der Ruine der Dresdener Frauenkirche mit Kerzen standen und den
Weg frei machten für eine friedliche Revolution. Ich bete und
hoffe, dass wir gemeinsam in Coventry, in Dresden und überall
den Mut aufbringen, unsere Liebe zur Welt in die Tat umzusetzen.

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