13. Februar 2005:
»GeDenken« – Texte

   
       

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Dresden: Übergabe der Bodenmarkierung auf dem Altmarkt – Rede Rudolf Eichner

Liebe Dresdner Bürgerinnen, Bürger und Gäste!

Noch vor Wochen standen wir unter Schock über die Ausmaße der Flutkatastrophe in Asien. Aber schon bald zogen örtliche und weltweite Geschehen unsere Aufmerksamkeit auf sich. Schnell, zu schnell, geraden Ereignisse von heute schon morgen in das große Meer der Vergessenheit. Die Menschheit sollte nicht so schnell vergessen.

Vor 60 Jahren stand Dresden in den Schlagzeilen. Am Rande und fast am Ende eines furchtbaren Weltkrieges wurde unsere Stadt zu einem Fanal innerhalb von tagtäglichen Fanalen. Über die Dauer von fünf Jahren starben täglich Zehntausende eins gewaltsamen Todes. Unsere Stadt war nur ein Bruchteil dieser Katastrophe.

Wer die Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 miterlebt hat, dem ist das Inferno zeitlebens unvergesslich. Der ist „gebranntes Kind“. Der scheut nicht nur das Feuer, sondern Krieg und Bomben und deren Voraussetzung: Terror, Diktatur und Gewaltherrschaft.

Damit dieses traumatische Erlebnis meiner Generation nicht in Vergessenheit gerät,
damit nicht nur an den Jahrestagen der Aktion „Donnerschlag“ an das Leid und die Zerstörung gedacht wird,
damit es eine Möglichkeit des täglichen Erinnerns im Zentrum der Stadt gibt,
soll hier auf dem Altmarkt ein Zeichen gesetzt sein, hier an dieser Stelle, wo Tausende von Zehntausenden Opfern wegen Seuchengefahr verbrannt werden mussten: Bescheiden, aber sichtbar wird hier in historischen Pflastersteinen eingelassen zu lesen sein:

„Nach den Luftangriffen vom 13. bis 15. Februar 1945 auf Dresden wurden an diesem Ort die Leichen von 6.865 Menschen verbrannt.“

Dieses Zeichen soll den vielen Touristen und den Dresdner Nachkriegsgenerationen bewusst machen: Dresden ist nicht nur wunderbare schöne Barockstadt, nicht nur wiedererstandene Frauenkirche, nicht nur Zwinger, Semper-Oper, Goldner Reiter, Kathedrale, weiträumig grüne Stadt – Dresden ist auch zerbombt gewesene Stadt mit 35 000 Toten.

Voller Stolz können wir sagen: Unsere schöne Stadt ist der durch den Fleiß seiner Bürger wiedererstandene Touristenmagnet. Und damit es so bleibt, braucht Dresden, braucht die Menschheit weder Aufrechnung, weder Rache, noch Vergeltung, sondern Völkerverständigung und Versöhnung – eben damit Frieden dauerhaft bleibt.

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