13. Februar 2005:
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Botschaft aus Dresden: Brigitte Rother

Brigitte Rothert (geb.: Jähnig), 1928 in Dresden geboren, als Tochter eines sogenannten Ariers und einer Jüdischen Mutter, einer Cousine von Kurt Tucholsky.

Als Brigitte 6 Jahre alt ist, verläßt sie ihr Vater, die Ehe wird geschieden. Der Architekt aus Dresden ist Mitglied der NSDAP und der SA geworden. Als sogenannter Mischling ersten Grades wurde Brigitte der höhere Schulbildungsweg verboten, doch konnte sie noch ihre Mutter vor der Deportation schützen. Am 13. Februar 1945, Brigitte ist 16, kommt ihre Mutter tränenüberströmt und völlig verstört nach Hause (ich zitiere aus dem Lebenbericht von Brigitte Rothert):

„Am 16. Februar früh 8 Uhr muß ich zu meinem Abtransport antreten, das überlebe ich nicht!“ ... Dieser Tag stand völlig unter der Vorbereitung auf den Abschied für immer... Wie sollte überhaupt das Leben für mich ohne meiner Mutter weitergehen? Diese Frage konnte ich mir nicht beantworten. Für mich schien es, als ob ich noch zwei Tage zu leben hätte und dann das Ende käme ...Am Abend saßen wir alle zusammen bei Loewenstamms. Er sagte nur immer wieder: Regt Euch doch nicht so auf, bis dahin kann noch viel passieren! Jedoch ich entgegnete ihm: Darauf warten wir seit 12 Jahren und ausgerechnet in zwei Tagen soll eine Rettung kommen?! Sie kam – natürlich in einer recht entsetzlichen Gestalt...

Wir durften nicht in den Luftschutzkeller unseres Hauses, sondern in den Judenkeller im Nachbarhaus. Dort herrschte eine furchtbare Atmosphäre. Beinahe alle Familien sollten am 16. Februar auseinandergerissen werden und hatten das am 13. Februar früh erfahren.... Man kann also verstehen, daß alle lieber in dem Keller gemeinsam umkommen wollten. Dieser Keller war überhaupt kein Schutz, er befand sich fast zu ebener Erde und binnen kurzem flogen alle Fenster und die Tür aus dem Rahmen und wir saßen beinahe wie im Freien. Jede Bombe pfiff über uns hinweg. Im Keller herrschte eine gleichgültige Ruhe...“

Brigitte Rothert, die Letzte der Familie Tucholsky, richtet ihre BOTSCHAFT an uns:

Liebe Dresdner,

der 13. Februar 2005 ist ein Anlaß, uns an den 13. Februar vor 60 Jahren zu erinnern. Ich hoffe, daß denkende Menschen verstehen, daß das, was an diesem Tag in dieser Stadt geschah, nur eine kleine Antwort auf alle die Verbrechen und Unmenschlichkeiten war, die Nazi-Deutschland seit 1933 über ganz Europa gebracht hat. Gehen Sie nie wieder den Lügen auf den Leim! Sie mussten vor 60 Jahren die Rechnung dafür bezahlen und den Untergang Ihrer Heimatstadt erleben.

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Verlesen von Gabriele Atanasow

 

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