Mein Name ist Seiji Inoue, ich
bin Japaner, 63 Jahre alt. Als Professor lehre ich an der Universität
von Hiroshima und als Gastdozent an der Universität der Vereinten
Nationen. Meine Fächer sind vergleichende Erziehungswissenschaften
und Bildungstheorien für Internationale Verständigung.
Im Dezember 1941 wurde ich geboren, eine Woche nachdem Japan in
den Krieg gegen die Vereinigten Staaten eintrat.
Mein Vorname, Seiji, bedeutet “Kind der Sterne”. Als
ich geboren wurde, sagten sich meine Eltern: “Ein tragischer
Krieg hat begonnen. Aber du, unser Sohn, sollst wie ein Stern am
nächtlichen Himmel sein, der auf diesen Krieg zwischen den
Menschen schaut und den Kämpfen ein rasches Ende wünscht.”
Aus diesen Überlegungen erhielt ich meinen Namen.
Als ich vier Jahre alt war, wurden in Kobe, wo wir wohnten, mein
Haus und meine Familie durch die heftigen Luftangriffe der US-Luftwaffe
zerstört. Meine Mutter floh mit mir in ihre Heimatstadt, Hirado-dima,
in Nagasaki. Wie Sie wissen, wurde das Zentrum von Nagasaki vor
60 Jahren durch die zweite Atombombe zerstört. Aber wir hatten
großes Glück, wir blieben unverletzt.
Nach Kobe und Nagasaki beendete ich die Schule in Tokyo und lebte
dort 40 Jahre. Vor 10 Jahren kam ich als Professor nach Hiroshima.
Alle diese Orte - wie auch Dresden - wurden durch Luftangriffe zerstört.
Wunderbarerweise wurden nach dem Krieg diese Städte wieder
aufgebaut und trugen zu Japans ökonomischem Wachstum mit bei.
Trotzdem erinnere ich mich immer wieder an die Zeit, als ich 3
bis 4 Jahre alt war und das große Licht sah, viel heller als
die Sterne, ein Leuchten von zehntausend Brand- und Sprengbomben,
die bei Nacht von den B29 Bombern abgeworfen wurden. Viele meiner
Studierenden an der Universität von Hiroshima sind in der 2.
oder 3. Generation Nachkommen von hibakushas – Atombombenopfern
und schreiben ihre Examensarbeit über diese historische Erfahrung.
Oft lese ich diesen Studenten einen Text des amerikanischer Gelehrter
Douglas C. Lammis vor. Er beschreibt, dass Menschen, die den Kriegsschrecken
erlebt haben, ein sehr starkes Widerstandsgefühl entwickeln.
Viele von ihnen werden Friedenskämpfer.
In der Tat, im Nachkriegsjapan ist Hiroshima die Stadt mit dem höchsten
Friedenengagement.
Die Sterne, die am fernen Nachthimmel leuchten, vermitteln ein
Gefühl von Hoffnung und erinnern die Menschen daran, dass ein
neuer Tag kommt. Dieses Licht ist schwächer als das Licht der
Bomber und der Brandbomben, aber es ist ewig. Und es verbindet alle
Menschen rund um die Welt. Die Erfahrung der Luftangriffe muß
deshalb nicht nur zerstörend wirken. Sie kann uns auch helfen,
eine Welt des “Ewigen Friedens”, von dem Immanuel Kant
träumte, zu erreichen.

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