13. Februar 2005:
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Botschaft aus Hiroshima an Dresden

Mein Name ist Seiji Inoue, ich bin Japaner, 63 Jahre alt. Als Professor lehre ich an der Universität von Hiroshima und als Gastdozent an der Universität der Vereinten Nationen. Meine Fächer sind vergleichende Erziehungswissenschaften und Bildungstheorien für Internationale Verständigung.

Im Dezember 1941 wurde ich geboren, eine Woche nachdem Japan in den Krieg gegen die Vereinigten Staaten eintrat.

Mein Vorname, Seiji, bedeutet “Kind der Sterne”. Als ich geboren wurde, sagten sich meine Eltern: “Ein tragischer Krieg hat begonnen. Aber du, unser Sohn, sollst wie ein Stern am nächtlichen Himmel sein, der auf diesen Krieg zwischen den Menschen schaut und den Kämpfen ein rasches Ende wünscht.” Aus diesen Überlegungen erhielt ich meinen Namen.

Als ich vier Jahre alt war, wurden in Kobe, wo wir wohnten, mein Haus und meine Familie durch die heftigen Luftangriffe der US-Luftwaffe zerstört. Meine Mutter floh mit mir in ihre Heimatstadt, Hirado-dima, in Nagasaki. Wie Sie wissen, wurde das Zentrum von Nagasaki vor 60 Jahren durch die zweite Atombombe zerstört. Aber wir hatten großes Glück, wir blieben unverletzt.

Nach Kobe und Nagasaki beendete ich die Schule in Tokyo und lebte dort 40 Jahre. Vor 10 Jahren kam ich als Professor nach Hiroshima. Alle diese Orte - wie auch Dresden - wurden durch Luftangriffe zerstört. Wunderbarerweise wurden nach dem Krieg diese Städte wieder aufgebaut und trugen zu Japans ökonomischem Wachstum mit bei.

Trotzdem erinnere ich mich immer wieder an die Zeit, als ich 3 bis 4 Jahre alt war und das große Licht sah, viel heller als die Sterne, ein Leuchten von zehntausend Brand- und Sprengbomben, die bei Nacht von den B29 Bombern abgeworfen wurden. Viele meiner Studierenden an der Universität von Hiroshima sind in der 2. oder 3. Generation Nachkommen von hibakushas – Atombombenopfern und schreiben ihre Examensarbeit über diese historische Erfahrung. Oft lese ich diesen Studenten einen Text des amerikanischer Gelehrter Douglas C. Lammis vor. Er beschreibt, dass Menschen, die den Kriegsschrecken erlebt haben, ein sehr starkes Widerstandsgefühl entwickeln. Viele von ihnen werden Friedenskämpfer.
In der Tat, im Nachkriegsjapan ist Hiroshima die Stadt mit dem höchsten Friedenengagement.

Die Sterne, die am fernen Nachthimmel leuchten, vermitteln ein Gefühl von Hoffnung und erinnern die Menschen daran, dass ein neuer Tag kommt. Dieses Licht ist schwächer als das Licht der Bomber und der Brandbomben, aber es ist ewig. Und es verbindet alle Menschen rund um die Welt. Die Erfahrung der Luftangriffe muß deshalb nicht nur zerstörend wirken. Sie kann uns auch helfen, eine Welt des “Ewigen Friedens”, von dem Immanuel Kant träumte, zu erreichen.

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Überbracht von Sejii Inoue, Professor an der Universität von Hiroshima

Verlesen von
Evelyn Dierich

 

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