Sehr geehrter Herr Präsident Obama,
wir heißen Sie in Dresden willkommen! Wir freuen uns, dass Sie Ihren ersten Besuch in Deutschland, den Sie als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika unternehmen, gerade in unserer Stadt beginnen.
In unserer Gruppe haben sich Menschen aus mehreren Generationen zusammengeschlossen, um sich vor dem Hintergrund der geschichtlichen Erfahrungen unserer Stadt für Frieden und Menschenrechte zu engagieren.
Unter uns sind ältere Menschen, die den Zweiten Weltkrieg und den mühevollen Neuanfang danach erlebt haben. In der Ruinenlandschaft der zerstörten Stadt, angesichts der deutschen Schuld an Völkermord und Krieg, in der Erfahrung von Leid und Entbehrung formulierten sie die Überzeugung, die heute unsere Gruppe leitet: »Hauptsache kein Krieg!«.
Die Biografie unserer Stadt hat uns deutlich gemacht, dass alle Menschen dafür Verantwortung tragen – und dies bereits weit bevor Kriege entstehen. Viele Dresdner hatten die NS-Diktatur hingenommen oder gar unterstützt ehe der deutsche Krieg auf unsere Stadt zurückschlug. Wir wissen heute, dass Frieden nur gelingen kann, wenn Menschenrechte und Demokratie verteidigt werden.
Gleichzeitig haben wir erlebt, wie weitreichend die Folgen des Krieges sind. Selbst in unserer vergleichsweise wohlhabenden Gesellschaft hat es Jahrzehnte gebraucht, ehe Lebensnotwendiges wieder aufgebaut war, ehe einige der zerstörten Symbolbauten der Stadt rückgewonnen werden konnten oder sich die Menschen mit unwiederbringlichen Verlusten abgefunden hatten. Aber der Krieg ist noch unter uns. In den Biografien der Betroffenen wirken die Erfahrungen noch heute unvermindert nach. Und noch immer ist Versöhnung zu leisten – vor allem mit denjenigen, die damals Unrecht von Deutschen erfahren haben. So werfen Krieg und Gewalt überlange Schatten, die weit in die folgenden Generationen reichen.
Wir haben uns über unsere Erfahrungen und Überzeugungen mit Menschen an anderen Orten der Welt ausgetauscht, die von Krieg und Gewalt betroffen waren. Wir haben beeindruckende Beispiele dafür gefunden, wie aus erlebtem Leid Engagement für Frieden entstand – in New York genauso wie in Israel und Palästina, in Polen oder Spanien. In einem »Internationalen Netzwerk für den Frieden« suchen wir nach Wegen, dieses Engagement zu stärken.
Sehr geehrter Herr Präsident, Ihre Reise nach Dresden ist eine Begegnung auch mit dieser Geschichte unserer Stadt. Wenn wir von unseren Erfahrungen berichten, so tun wir dies in der Hoffnung, dass Sie aus Dresden einen Impuls des Friedens mitnehmen. Es ist sehr viel schwerer, Frieden zu gründen als Krieg zu führen. Wir wünschen Ihnen und uns, dass Sie dennoch den Mut finden, dem Krieg zu widerstehen und den Frieden zu wagen. Wenn die Vereinigten Staaten von Amerika dazu ihre demokratischen Ideale, ihre reichen Ressourcen und ihren weiten poltischen Einfluss statt ihrer militärischen Macht einsetzen würden, dann wäre dies ein herausragender Beitrag für eine bessere Welt.
Die Mitglieder der Interessengemeinschaft »13. Februar 1945« e. V. Dresden |