Entstehung
Anfang der 1980er Jahre beschäftigte sich eine Gruppe Dresdner
Studenten mit der Übersetzung und Inszenierung eines britischen
Theaterstückes über die Luftangriffe auf Dresden. Begleitend
zur künstlerischen Arbeit suchten die Studenten Kontakt zu
Zeitzeugen und Historikern. Ergebnis dieser Gespräche war u.a.
eine kleine Sammlung an Erlebnisberichten, schriftlichen Dokumenten
und Fotografien.
Die Fragenden erlebten, dass es für ihre älteren Gesprächspartner
von großer Bedeutung war, über die Erlebnisse und Erfahrungen
der NS-Zeit, des Krieges und der Zerstörung der Stadt zu sprechen.
In den Gesprächen mit den Zeitzeugen offenbarte sich ein überraschender
Reichtum. Nicht nur geschichtliche Details wurden sichtbar, sondern
auch Bewertungen und Schlussfolgerungen, die den jüngeren Gesprächspartnern
wesentlich erschienen.
So entstand ca. 1985 die Idee, persönliche Erinnerungen an
und Zeugnisse aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges in Dresden systematisch
zu sammeln, zu archivieren und einer wissenschaftlichen Auswertung
zugänglich zu machen. Für dieses Ziel engagierten sich
– nunmehr außerhalb der studentischen Zusammenhänge
– eine kleine Gruppe Dresdner unterschiedlichen Alters um
Matthias Neutzner.
Sie erlebten rasch, dass von den Fachwissenschaftlern kaum Unterstützung
zu erwarten war. Die Methodik der damals in der DDR praktizierten
Geschichtsforschung schloss Einzelschicksale als Quelle historischer
Erkenntnis weitgehend aus. Da zu den methodischen Divergenzen noch
der Argwohn der Wissenschaftler vor interessierten Laien und das
Misstrauen der politischen Führung in jede nicht kontrollierte
gesellschaftliche Bewegung kam, benötigte es fast zwei Jahre
ausdauernder Bemühungen, ehe das systematische und öffentliche
Suchen nach Augenzeugen beginnen konnte. Im Februar 1987 erschien
in den Dresdner Tageszeitungen ein kurzer Aufruf dazu, wenig später
konnte eine kleine Fachgruppe in der Gesellschaft für Heimatgeschichte
des Kulturbundes der DDR gegründet werden und die Arbeit beginnen.

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