2000: Gedenken
und Gedenkorte
Im Jahr 2000 starteten Rudolph Eichner und mehrere Vereinsmitglieder
aus der Zeitzeugengeneration eine Initiative zur Einrichtung einer
Erinnerungsstelle auf dem Dresdner Altmarkt, wo nach den Luftangriffen
im Februar 1945 die Leichen von 6865 Menschen verbrannt worden waren.
Parallel dazu führten die Vereinsmitglieder eine intensive
Diskussion um Inhalt, Funktion und Ort einer Erinnerungs- oder Gedenkstätte
für die Opfer der Luftangriffe. Dabei zeigte sich, dass ein
Nachdenken über Gedenkorte die Auseinandersetzung mit den positiven
Traditionen und aktuellen Problemen der Dresdner Erinnerungskultur
insgesamt voraussetzt.
Der Verein konnte hier zunächst zu keiner gemeinsamen Haltung
finden. Während die Bemühungen um die Erinnerungsstelle
auf dem Altmarkt starken Wiederhall in den politischen Vertretungen
und lokalen Medien fanden, initiierte Matthias Neutzner ein paralleles
Projekt: »Gravuren des Krieges
– Mahndepots in Dresden«.
Auf Anregung des Vereins und vermittelt durch den Künstlerbund
Dresden konnten mehrere Bildende Künstler zur Mitarbeit gewonnen
werden. Es wurde ein Netzwerk der Erinnerung entworfen, fixiert
an Orten die die Komplexität des historischen Geschehens um
die Zerstörung Dresdens deutlich machen. So stehen Orte des
Leids der vom Luftkrieg Betroffenen neben solchen, an denen die
Verbrechen an Juden, KZ-Häftlingen, Zwangsarbeitern etc. deutlich
werden. Andere Orte illustrieren beispielhaft die Verstrickungen
der Stadt in die militärische und wirtschaftliche Kriegführung,
aber auch die Größe der Katastrophe, von der Dresden
schließlich betroffen wurde.
Am 13. Februar 2001 konnten 56 »Mahndepots« –
in den Boden eingelassene Edelstahlhülsen – übergeben
werden; eine Zeitungsbeilage dokumentierte die Orte und ihre Bedeutung.
Seitdem wurde jährlich ein weiterer Ort markiert, wobei die
Vorschläge für Erinnerungsorte nunmehr auch von Menschen
außerhalb der Künstlergruppe und des Vereins stammen.
Währenddessen fasste nach mehrjährigen, teilweise öffentlichen
Diskussionen der Dresdner Stadtrat im Jahr 2003 den Beschluss, eine
Erinnerungsstätte auf dem Altmarkt errichten zu lassen. Die
Dresdner Stadtverwaltung bezieht den Verein in die Umsetzung dieses
Beschlusses ein. So wird während des Jahres 2004 eine künstlerische
Markierung auf dem Altmarkt angebracht werden, die in Bezug zu dem
bereits eingebrachten »Mahndepot« auf die historischen
Geschehnisse an diesem Ort verweist.

|